Das Jahr 1929 stand für den MVT voll und ganz im Zeichen seines 30 jährigen Jubiläums. Da sich die Ver- einsmitglieder über das Gründungsjahr des Musikvereins uneinig waren, wur- de dieses Jubiläum mit einem ereignisreichen Programm im Juni 1929 gefeiert. Der erste Gründungsversuch im Jahr 1898 wurde hierbei nicht berücksichtigt.
Im November 1930 konnten in der Truchtelfinger Turnhalle die neuen Uniformen des Musikvereins eingeweiht werden. Vom damaligen Schriftführer Jakob Faigle jun. wurde hierzu im Protokollbuch folgendes vermerkt: Am 2ten Nov. fand die Einweihung der Uniformen in der Turnhalle statt. Nach dem Eröffnungsmarsch "Deutschlands Ruhm", welcher schneidig vorgetragen wurde, begrüßte Vorstand Karl Schaudt die anwesenden Gäste mit einem herzlichen Willkommen. Mit klaren und deutlichen Worten legte er den erschienenen Gästen die Gründe, Zwecke und Ziele dar, die den Musikverein bewogen haben, Uniformen anzuschaffen. Schaudt betonte ausdrücklich, daß alle Gauvereine - ja sogar weit über den Gau hinaus - sämtliche Musikkapellen mit Uniformen ausgestattet sind und der hiesige Musikverein bald als einziger Verein ohne Uniform zu den Musikfesten erschienen ist. Aus diesem Grund habe sich der Musikverein entschlossen auch Uniformen anzuschaffen. Auch konnte Schaudt den Anwesenden die erfreuliche Mitteilung machen, daß die Uniformen bereits bezahlt sind..."
Die nun folgenden Jahre sollten viele Veränderungen mit sich bringen. Auch Truchtelfingen blieb von der NS-Herrschaft nicht ver- schont, was sich im Jahr 1934 auch auf den Musikverein auswirkte. In einer außer- ordentlichen Generalversam- mlung am 09.02.1934 wurde der Musikverein Truchtel- fingen in eine NS-Kapelle umgewandelt. Von diesem Tag an stand die Kapelle im Dienst der hiesigen NSDAP.
Nur widerwillig beugten sich manche Mitglieder der Kapelle dieser Entscheidung. Da die Kapelle von nun an keinen Schriftführer mehr besaß, wurden die Begebenheiten aus dieser Zeit leider nicht mehr schriftlich vermerkt. Aus mündlichen Überlieferungen ist jedoch bekannt, daß die Truchtelfinger Musiker in dieser Zeit immer wieder versucht haben, ihren Unmut und Unzufriedenheit über die Vereinsführung durch die NSDAP in der Öffentlichkeit zu zeigen. So spielte die Kapelle z.B. bei einer Sonnwendfeier der Kommunisten auf dem Böllat in NS-Uniformen und fiel durch solche Aktivitäten mehrfach unangenehm auf.
Wie jeder Musikzug wurden auch die Truchtelfinger Musiker mit Uniformen der Partei ausgestattet und man beteiligte sich nun vor allem an Propagandamärschen, Wahlkundgebungen und anderen Veran- staltungen der NSDAP.
Bereits 1935 sollte sich für die Mitglieder der Kapelle ein weiterer Wandel ergeben. Auf Veranlassung des hiesigen Ortsgruppenleiters versammelten sich die Mitglieder des Musikzuges am 25. Oktober im Bürgersaal des Rathauses. Im Protokollbuch ist zu lesen, daß es der hiesigen NSDAP-Ortsgruppe nicht mehr möglich gewesen sei, die Parteibeiträge für die Musiker zu bestreiten. Es wurde bekanntgegeben, daß von seiten der NSDAP einer Wiederselbständigmachung der Kapelle nichts im Wege stehe. Der Vereinsspitze wurde die Mitgliedschaft in der Partei vorgeschrieben, allen anderen Mitgliedern wurde dies freigestellt. Gemäß der früheren Satzung des Musikvereins wurde wieder ein Vereinsausschuß gewählt. Mit der Wahl von Jakob Faigle und Ernst Schairer zu den beiden Vorsitzenden war die Wiederselbständigmachung des MVT vollzogen.
Trotz dieser schwierigen Zeit konnte der Musikverein in den nächsten Jahren bei den jährlich stattfindenden Be- zirksmusikfesten große musika- lische Erfolge aufweisen. Bei den Wertungsspielen trat die Kapelle in der Kunststufe an und man war einer der an- gesehensten Vereine im Zollern-Schalksburg-Gau.
Während des 2. Weltkrieges kam das Vereinsleben des Musikvereins nahezu zum Erliegen. In dieser Zeit wurden auch im Protokollbuch keine Eintragungen vorgenommen.
 
|